Geschichte

Vereinsgeschichte

5. Oktober 1919 - Gründungsprotokoll

Die Chorgemeinschaft ist aus dem Männer-Gesang-Verein Gymnich hervorgegangen.

Gegründet, gemäß Protokoll, am 5. Oktober 1919.

Nachweislich der lückenlos erhalten gebliebenen Geschichtsschreibung, angereichert mit mannigfaltigen Presseberichten, Konzert- und Veranstaltungsprogrammen, Fotos und ähnlichem ist die Verbindung zur heutigen Chorgemeinschaft nachvollziehbar.

"In Freud und Leid zum Lied bereit." So steht es auf der alten, 1922 feierlich geweihten Vereinsfahne, geschrieben. Das war die einfache Formel, die das Vereinsleben in den schweren Nachkriegsjahren bestimmte.

 

1930 - Männer-Gesang-Verein Gymnich

Es war von Beginn an erklärter Wille des Vorstandes, neben der Pflege des weltlichen Liedes, theatralische Aufführungen zu bieten und dadurch neue Akzente im dörflichen Alltagsleben zu setzen.

Die dafür unumgänglich erforderlichen weiblichen Darstellerinnen in den Verein einzubinden, erwies sich jedoch als schwierig. Vereinsleben war noch weitgehend Männersache. Die Riege der Frauen und Fräuleins wurde sorgsam umhegt. Man bezeichnete sie kurz als Vereinsdamen.

Erst 1931, anlässlich der Generalversammlung, sprach man, als besondere Neuerung, eine offizielle Einladung zu diesem Akt aus.

Die Vereinstätigkeit jener Jahre war sehr rege und stand, ob ihrer Qualität von den Dorfbewohnern unterstützt, oft im Mittelpunkt des Geschehens. In vielerlei Hinsicht spiegelten sich die "Goldenen 20er Jahre" wieder. So überstand man auch die Zeit der Rezession. Zwar mit kleinen Blessuren, doch innerlich gefestigt ging man in die turbulenten Jahre der Gleichschaltung durch das NS-Regime. Gegen die Einflussnahme auf die Führung des Vereins wehrte man sich mit Vehemenz. Man scheute sich nicht eine schriftliche Eingabe an den Herrn Reichskanzler Adolf Hitler zu richten. Über die eventuellen Folgen der Beschwerdeführung wurde man sich erst Jahre später klar. Die "Reichsmusikkammer" ordnete die unmittelbare Einbindung der Frauen in den Verein an, wollte man nicht auf deren weitere Mitwirkung verzichten. Die Gunst der Stunde erkennend gründete man ein "Frauen-Doppel-Quartett" das am 15. Oktober 1935 zur Gründung des Damenchores als Teil des Vereins führte.

Die "Grundsteinlegung" für den gemischten Chor.

Männer-Gesang-Verein Gymnich mit Damenchor
Damenquartett angetreten

 

Durch die Wahl (mit Bedacht und zur Beruhigung) eines "Parteigenossen" zum "Vereinsführer" trat eine gewisse Beruhigung ein. Doch schon bald wurden die ersten Sänger zu Wehrübungen, Reichsarbeitsdienst und später als Soldaten eingezogen. Die Sängerschar lichtete sich bedenklich. Die Zeichen standen auf Sturm. In dem, 1939 ausgebrochenen, schrecklichen Krieg wurden viele Sänger zu Opfern. Es hatten nun die wenigen schon älteren Sänger, die Frauen und Mädchen, die traurige Pflicht, die Trauergottesdienste mitzugestalten. Einige Sänger kamen mit Verletzungen, viele nach jahrelanger Gefangenschaft, zu ihren Familien und in den Verein zurück.

Obwohl striktes Versammlungsverbot herrschte, kam es genau vier Monate nach Kriegsende zur ersten Zusammenkunft in einer Privatwohnung, um über einen Neubeginn zu beraten und allen Ernstes schnellstmöglich umzusetzen. Als man den jungen, bei der Kirchengemeinde angestellten Organisten Walter Kempf für diesen Zweck gewinnen konnte, reichte man bei der Militäradministration am 19. August 1946 den Antrag zur Genehmigung der Wiederaufnahme der Vereinsarbeit ein. Mit den Proben von Männerchor und Damenchor am 24. und 31. August wurde die Vereinsarbeit zu neuem Leben aufgerufen. Auf Drängen des Chorleiters wurde alsbald ein turnusmäßiges, gemeinsames Chorsingen beschlossen. Die erste Gemischtchorprobe fand am 16. September1946 statt.

Die Geburtsstunde der heutigen Chorgemeinschaft.

Viele junge Leute, noch geprägt von dem zurückliegenden Geschehen, lebenshungrig, drängten in den Verein. Als die Zahl binnen Kürze auf über 80 anstieg, wurde ein Aufnahmestopp ausgesprochen. Die Vereinsführung sah sich gezwungen einen Regelkatalog zur Gewährleistung eines geordneten Vereinswesen zu erstellen. Der Nachholbedarf ließ sich kaum bändigen.

Die Währungsreform 1948 führte zum Aufschub der für 1949 vorgesehenen Feier zum 30-jährigen Bestehen.

"Zwei Tage Gesang in Gymnich, - Huldigung für das deutsche Lied, - Voller Erfolg der Jubelfeier in Gymnich, - Ein Erlebnis, wie man es selten findet". So titelte dann die Presse ein Jahr später.

September 1954 - Ausflug an die Ahr
1956 - Konzert

Mit der Währungsreform hatte eine lange Zeit der Entbehrungen ein Ende gefunden. Die allgemeine Lage hatte sich wundersam schnell verbessert. Infolgedessen auch die Interessenlage von so manchem Sänger und mancher Sängerin. Der Spaßfaktor spielte jetzt eine wichtige Rolle bei allen Überlegungen. Nie mehr disziplinieren lassen. Die Akzente waren wiedermal verschoben.

Die Aktivitäten des Vereins waren bis in die 50-er Jahre sehr zahlreich so dass es schwerfällt, an ein Auseinanderdriften der Generationen zu glauben. Der demonstrierte Geist aber war das Ergebnis ständiger Auseinandersetzung, weil man sich  - in weiten Kreisen - nicht bewusst war bzw. es nicht verstand, dass der Verein den Anspruch erhob, Kulturträger im Ort zu sein und gewillt war, diesen Anspruch nicht aufs Spiel zu setzen. Mit diesen "Begrifflichkeiten" konnte man nichts anfangen. Reibungsverluste waren die Folge und letztlich, zu Mitte der 50-er Jahre, eklatant.

Der "ganze Spaß müsse ein Ende haben" war man sich in der Vereinsführung klar. Man krempelte sehr vieles um: Probenlokal (nicht mehr in einem Gasthaus), Probenzeit, Chorliteratur (pro gemischter Chor) und Programme, man sah sich Neuankömmlinge genauer an und der Vorstand wurde umstrukturiert.

1956 berichtete die Presse von einem hoffnungsvollen Neubeginn.

Mit 53 aktiven, davon 23 Damen, und 80 passiven (fördernden) Mitgliedern tritt der Verein dem Kreissängerbund Euskirchen im Deutschen Sängerbund (DSB) bei. 1959 kommt es zu Veränderungen des Vorstandes durch den plötzlichen Tod des Vorsitzenden.

Ein Konzert mit Orchesterbegleitung, was bisher an der Kostenfrage gescheitert war, feiert Premiere.

1959 - Konzertreise Rom

 

Anfang der 60-er Jahre weckt der in Auflösung befindliche Chor der Pfarrkirche die Hoffnung auf Verstärkung für unsere eigenen Reihen. Verhandlungen führten jedoch unverständlicher Weise ins Leere. Später verschwand der Chor spurlos und damit verließ uns auch Chorleiter Kempf.

Der Verein konnte Anfang 1965 sein Glück kaum fassen, dass "Ein Stern am Dirigentenhimmel", wie ihn die Presse angekündigt hatte, nach kurzem, informativen Gespräch  bereit war, den Gymnicher Chor zu übernehmen. Hans Esser kam aus Köln. Er erkannte sehr schnell die Möglichkeiten die er mit den überwiegend jungen Stimmen hatte. Mit seinem Können führte er fortan den Chor durch die Welt einer großen Zahl von klassischen Vokalkompositionen der Anfänge bis zur Gegenwart.

Das ausgesprochen gute Verhältnis zwischen Chorvorstand und Chorleiter übertrug sich auf den gesamten Verein, was sich in einem fröhlichen WIR-Gefühl niederschlug. Die neue Pfarrgeistlichkeit öffnete die Pforten der Pfarrkirche, erstmals anlässlich des 50-jährigen Vereinsbestehen, zu einem festlichen Konzert mit Werken von W. A. Mozart, begleitet von Profi-Musikern. Das erregte Aufsehen in der Öffentlichkeit über die Ortsgrenzen hinaus. Eine Reise nach Rom rundete das Festjahr ab.

Bei feierlichen Anlässen war fortan der Chor in der Kirche zu hören. 1973 wurde beschlossen, die Vereinssatzungen zeitgemäß zu erneuern. Auf Initiative des Chorleiters sollten sie auch eine Namensänderung beinhalten. Dem wurde einstimmig zugestimmt.

Ab der Jahreshauptversammlung 1974 trug der Chor den Namen: Chorgemeinschaft 1919 Gymnich e.V. der später, nach der kommunalen Gebietsreform, umbenannt wurde in den heutigen Vereinsnamen:

Chorgemeinschaft 1919 Erftstadt-Gymnich e.V.

 

24 Oktober 1982 - Konzert

 

Nach 15 Jahren umfassender musikalischer, menschlicher, herzlicher Betreuung mussten wir uns von unserem geliebten Chorleiter aus gesundheitlichen Gründen verabschieden. Er besuchte unsere Konzerte auch weiterhin mit großem Interesse.

Von mehreren neuen Bewerbern fiel die Wahl auf M. H., ebenfalls aus Köln, der am 1. September 1980 seine langjährige Chorleitertätigkeit begann. Seine weitreichenden Kontakte, auch ins orchestrale Umfeld, ließen alsbald den Entschluss reifen, auch größere Werke der Musikliteratur ins Repertoire aufzunehmen. Anfangs, wegen der damit einhergehenden Kosten, von der Vereinsführung mit großer Vorsicht angegangen, entwickelte sich daraus, nach dem Wechsel in der Vereinsspitze 1981, eine Konzerttätigkeit - für ländliche Verhältnisse - erstaunlicher Qualität und Stils. Durch Stifter- und Spenderzutun kostendeckende Werke großer Komponisten aller Musikepochen kamen zur Aufführung. Dank der liberalen Haltung der Pfarrverwaltung, die uns die Tore ihres schönen Gotteshauses zum Konzertieren geöffnet hatte, in einem würdigen Rahmen.

"Klassik in St. Kunibert". So sind auch derzeit noch die Konzerte überschrieben.

Die Anforderungen an die Sängerschar waren natürlich sehr hoch. Für manch einen absolut nicht selbstverständlich. Es blieb auf Dauer nicht aus, dass Meinungsunterschiede in den Vorstand hineingetragen wurden und dort zu Spannungen führten. Gegen Ende der 1990er Jahre wurde der Verlust an Kontinuität nach der Auffassung des Vorsitzenden so hoch, dass er andeutete, sein Amt zurückzugeben. Die Kündigung erfolgte im Mai 2001 nach dem der Chorleiter sich in Debatten in eine Richtung positioniert hatte, die der Vorsitzende nicht mittragen konnte. In der Nachfolge tat man sich zwischen Vereinsvorstand und musikalischem Leiter schwer, zumal Letzterer ebenfalls den baldigen Rückzug angedeutet hatte.

Herr H. verließ den Verein zu Anfang 2004, der 2001 neu gewählte Vorsitzende 2006. Erstmals in der Vereinsgeschichte wurde nun eine Frau Vorsitzende der Gemeinschaft.

Mit der Wahl von L. S. aus Bonn, der in Musikgeschichte promoviert hatte, holte man sich 2004, unumstritten einen Leiter von großem Format nach Gymnich. Er hatte eine Anstellung an der Klara Schuhmann Musikschule in Düsseldorf. Gymnich lag somit an der Wegstrecke, was die Vertragsgestaltung vereinfachte.

Gleich mit Beginn seiner Tätigkeit verliefen die Proben enorm streng, zielstrebig, für viele sogar stressig, und unter Negierung der vereinsspezifischen Notwendigkeiten. Einzelstimmenproben bis zum Überdruss. Das Ganze hatte eher profihafte Züge was nur dem Zwecke diente, der Sängerin oder dem Sänger die gesangliche Unzulänglichkeit didaktisch aufzeigen zu können. So erkannten es zumindest die Aktiven. Konnte das lange gutgehen?

Der sprichwörtlich vorhandene Gemeinschaftsgeist kam merklich ins Wanken. Man raufte sich jedoch immer wieder zusammen.

Im "Mozartjahr 2006" führte man in der Nachbarstadt Kerpen ein begeisternd aufgenommenes Konzert auf. Eine weiter anzumerkende Chorveranstaltung war ein Konzert im Jahre 2008 mit Kompositionen zum Frühling. Aus Anlass des runden Chorgeburtstages 2009 wurden Ausschnitte aus früher einstudierten Chorwerken von Joseph Haydn aufgeführt. Es erschöpft sich bald, noch Wesentliches aus dieser fünfjährigen Chorleitertätigkeit zu benennen. Mit der Zeit gingen einige Chormitglieder so weit, ihr Vertrauen, nicht nur in das des Chorleiters, sondern auch der Vereinsführung offen in Frage zu stellen und blieben den Proben fern. Die Vorsitzende versuchte den Chor umzustrukturieren. In einer Mitgliederversammlung sollte die Vertrauensfrage gestellt werden. Dem kam der Chorleiter zuvor und kündigte seine Tätigkeit im Jahr 2009. Im Sog dieser Ereignisse trat auch die Vorsitzende 2011 zurück.

Es bedurfte gehöriger Anstrengungen, die zerstrittene Schar der Aktiven zu versöhnen und zusammenzuhalten.

Mit K. L. bot eine junge Chorleiterin, die kurz zuvor ihre Examina an der Musikhochschule in Köln abgelegt hatte, an, mit dem Chor durchzustarten. Zur Jahreshauptversammlung 2011 wurde Jörg Riesop zum heute noch amtierenden Vorsitzenden gewählt.

Es begann eine Zeit der Ruhe und Entspanntheit, eines frohen Für- und Miteinander in einer gepflegten Atmosphäre der Meinungsvielfalt.

3. März 2013 Ein Deutsches Requiem


Angefacht durch den Jubel nach einem "Open-Air" Konzert und der Aufführung des "Fauré Requiem" schaute man schon wieder nach ganz oben: Johannes Brahms, sein "Deutsches Requiem" war das "Wunschkonzert" für Anfang 2013.

Eben war mit den Chorproben begonnen worden, musste die Chorleiterin offenbaren, dass Sie ernsthaft erkrankt sei und die von ihr so geschätzte Arbeit nicht weiter fortführen könne. Schockiert, mit traurigen Herzen und besten Wünschen wurde sie verabschiedet.

J. S., studierter Kirchenmusiker des katholischen Seelsorgebereiches Erftaue, übernahm spontan die weiterführende Einstudierung des Werkes. Die Aufführung fand am 3. März 2013 in der restlos ausgebuchten Gymnicher Pfarrkirche statt. Musiker des Bonner-Beethoven-Orchesters und namhafte Solisten begleiteten den Chor. Standing Ovation.

Ein Glanzlicht in der jüngeren Vereinsgeschichte.

Herr S. übernahm die musikalische Leitung und es folgten anspruchsvolle Aufführungen wie der "Messias" von Händel oder das Cherubini "Requiem", aber auch mit den sogenannten "Querbeet"-Konzerten, Darbietungen mit weltlicher, unterhaltender Literatur konnte der Chor überzeugen.

Leider musste Herr S. aus gesundheitlichen Gründen im April 2018 die Chorleiterposition aufgeben.

28. Mai 2017 - Querbeet Konzert

 

Nach einer fast einjährigen Übergangszeit ohne festen Chorleiter hatten wir im April diesen Jahres das große Glück, mit Herrn Christoph Maria Wagner aus Pulheim, einen fähigen, motivierenden musikalischen Leiter verpflichten zu können.

Unser Jubiläumsjahr 2019 soll von dem Wunsch nach einer neuen, langen Ära dieser außergewöhnlichen, lebendigen Chorgemeinschaft 1919 Erftstadt Gymnich e.V. beseelt sein.